Hintergrund

Frauen* in der Krise: «vergessen»

Am 6. Juni forderten wir den Bundesrat in einem Brief auf, zehn Frauen* in seinen «Krisenstab des Bundesrates Corona» (KSBC) aufzunehmen, die unsere Anliegen einbringen konnten. Der KSBC wurde im März einberufen und bestand aus 14 Mitgliedern. Davon waren zwölf Männer. Bereits Ende Mai hatte eine breite Koalition von Frauenorganisationen einen Appell an den Bundesrat gerichtet und gefordert, die Frauen* in der Krise nicht zu vergessen.

Im KSBC und in der bisherigen Strategie zur Krisenbewältigung fehlten die Frauen* und Care-Arbeiter*innen aber. Ausgerechnet wir, die mit unserer plötzlich als «systemrelevant» erkannten Arbeit im Detailhandel, in der Gesundheitsversorgung, in der Reinigung, in der Kinderbetreuung und zu Hause den Alltag meistern, wurden aus Gremien ferngehalten, in denen entschieden wird, wie es in und nach dieser Krise weitergeht.

Betroffene und Expertinnen

Das Ansteckungsrisiko und die Arbeitsbelastung von Frauen*, die den Grossteil der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit stemmen, hat mit dem Lockdown zugenommen. Frauen* sind überdurchschnittlich von Entlassungen aufgrund der Corona-Krise betroffen und die ökonomische Benachteiligung von Frauen* und insbesondere Müttern scheint sich mit der Krise noch zu verschärfen.

Wir Frauen* tragen die Lasten der Krise im Besonderen und leisten mit unserer Arbeit und unserem Wissen Wesentliches zur Bewältigung der Krise – während Männer die Krise an uns vorbei managen? Damit diese Krise erneut auf dem Rücken der Frauen* ausgetragen wird? Nicht mit uns!

Unserer Forderung nach zehn Sitzen im Krisenstab des Bundes kam die Regierung nicht nach. In einem Schreiben versprach uns Alain Berset, dass der Bundesrat die «enorme Leistung von Frauen* in den vergangenen Monaten» würdigen wolle. Wie ernst es der Regierung mit dieser Würdigung ist, zeigte sich am 15. Juni: Der Bundesrat lehnte Vorstösse zum Thema Gleichstellung und Corona-Krise mit der Begründung ab, es bestehe kein Handlungsbedarf.

Handlungsbedarf jetzt!

Doch wir warten nicht länger! Frauen* verfügen über enorme Erfahrung und Expertise in allen Bereichen, die zur Bewältigung dieser Krise zentral sind. Wir sind Expertinnen und Betroffene. Unsere Arbeit muss gesehen, anerkannt, entschädigt werden, unsere Anliegen und Forderungen müssen gehört werden.

Deshalb organisieren wir die Feministische Sondersession, die all jenen Frauen* eine Stimme gibt, die bisher nicht oder zu wenig gehört wurden. Hier wird eingebracht, debattiert und verabschiedet, was im Krisenstab und in der Herbstsession der Eidgenössischen Räte nicht auf den Tisch kommt.

Facebook
Instagram
Twitter
YouTube
Follow by Email